Nachtlichter

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Wir laden euch ein, wieder Lichter zu zählen! Seit Anfang September gilt in Deutschland das Gesetz zur Energieeinsparung. Diese sogenannte Kurzfrist-enenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung schränkt unter anderem die Verwendung von Fassadenbeleuchtung und Werbung ein. Da das Gesetz sehr neu ist, hatten Unternehmen und Behörden möglicherweise noch keine Zeit, ihre Beleuchtung anzupassen. Für uns wäre es interessant zu sehen, wie sich die Beleuchtungspraxis in den nächsten Monaten verändert.

Wir haben zwar nicht die Möglichkeit, in diesem Herbst größere Zähl-Kampagnen durchzuführen, aber unsere Nachtlichter App ist das perfekte Instrument für Bürgerwissenschaftler*innen, um die veränderte Beleuchtung selbständig zu dokumentieren. Jede/r ist willkommen mitzumachen. Hier sind ein paar Hinweise, die Euch dabei helfen können.

Erstens: Wählt eine Straße, deren Beleuchtung von dem Gesetz betroffen ist (z. B. Fußgängerzonen oder Einkaufsviertel mit Leuchtreklamen und beleuchteten Fassaden). Wenn bereits ein Transekt (markierte Linie von einer Straßenecke zur anderen) in der App vorhanden ist, verwendet bitte diesen – einfach anklicken. Wenn Ihr einen eigenen Abschnitt definieren wollt, lest bitte die Anweisungen zu unserer letzten Kampagne.

Zweitens: Begeht die Straßen nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Lichter schon/noch brennen und erneut, wenn die Abschaltungen ab 22 Uhr in Kraft treten. Wir empfehlen, die erste Erhebung vor 21 Uhr abzuschließen und die zweite Erhebung frühestens nach 22:30 Uhr zu beginnen.

Drittens: Begeht die Straße nach 1-4 Wochen erneut. Hat sich die Situation verändert? Das könnt ihr mehrfach wiederholen. Der Vergleich ist am aussagekräftigsten, wenn die Beobachtung immer zu ähnlichen Zeiten stattfindet.

Und das war’s! Wenn viele Daten gesammelt werden (z.B. 50 Transekten oder mehr), können wir dem Bundestag wertvolle Informationen über die Auswirkungen des Gesetzes liefern und für uns interessante Informationen zum Thema Lichtverschmutzung gewinnen.

Wir zählen Lichter, weil die Nacht zählt!

Satellitenaufnahmen von der Erde bei Nacht zeigen eine weltweite Zunahme nächtlicher Lichtemissionen und Lichtverschmutzung – auch in Deutschland. Verlässliche Daten zu den Ursachen, d.h. den öffentlichen, gewerblichen und privaten Lichtquellen am Boden, fehlen aber noch weitgehend und lassen sich auch nicht per Satellit ermitteln. Darum haben wir in einem bürgerwissenschaftlichen Co-Design Prozess eine App entwickelt, mit der wir künstliche Lichtquellen entlang von Straßen zählen und kartieren können – vom beleuchteten Fenster und Werbeschild bis zur Straßenlaterne und Ampelanlage. 

Von Ende August bis Mitte November 2021 waren über 200 Bürgerwissenschaftler:innen mit der Nachtlichter App auf nächtlichen Straßen unterwegs. Dank dieser wundervollen Unterstützung konnten wir unerwartet viele lokale Kampagnen erfolgreich beenden. In weniger als drei Monaten haben wir so fast eine Viertelmillion Lichter erfasst und nach Art, Helligkeit und Farbe klassifiziert! Die Fläche der zusammenhängenden Zählgebiete summiert sich auf insgesamt 22 Quadratkilometer und die Teilnehmenden haben beim Lichterzählen eine Gesamtstrecke von 645 km zurückgelegt.

In der Auswertungsphase sind die Teilnehmenden nun wieder gefragt und beteiligen sich an der Datenanalyse sowie an den wissenschaftlichen Publikationen. Erste Ergebnisse werden ab Mitte 2022 erwartet. Das gemeinsame Ziel des Nachtlichter-Netzwerks ist es, Bewusstsein für nachhaltige Beleuchtung zu wecken. 

Ziele des Nachtlichter-Projekts

Die wissenschaftlichen Hintergründe des Projekts erläutern wir in einem Webinar. Kurz gesagt, verfolgen wir drei Ziele:

Wir erforschen wissenschaftlich Ursachen von Lichtverschmutzung. Hierfür untersuchen wir die Zusammenhänge zwischen Lichtemissionen, die Satelliten messen, und den am Boden gezählten künstlichen Lichtquellen. 

Wir untersuchen und dokumentieren lokale Unterschiede zwischen verschiedenen Raumnutzungstypen (Innenstadt, Wohngebiet, Land) mit Blick auf die Anzahl von Lichtpunkten und Art der Beleuchtungstypen. Hierfür vergleichen wir die Ergebnisse unsere zahlreichen Untersuchungsgebiete in Innenstädten, Wohngegenden und ländlichen Gemeinden. 

Wir schaffen Aufmerksamkeit für nachhaltigere Beleuchtung, indem wir Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Städten einladen, unsere App zu nutzen, sich an unseren Nachtlichter-Messkampagnen zu beteiligen und sich so aktiv mit künstlicher Beleuchtung und ihre Nebeneffekte zu beschäftigen. 

Nachtlichter-Kampagnen

Im Spätsommer und Herbst 2021 fanden Nachtlichter-Kampagnen auf Initiative lokaler Organisator:innen in zahlreichen deutschen Städten und Gemeinden statt, insbesondere Achtenwehr, Berlin, Bochum, Borkheide, Dresden, Erlangen, Erfurt, Freising, Fulda, Herzogenaurach, Köln, Leipzig, Leverkusen, Potsdam, Preußisch-Oldendorf, Rosenheim, Trier, Wittenberg und Würzburg. Darüber haben Mitforschende auch an anderen Orten der Welt Lichter gezählt, insbesondere in Kanada, Frankreich, Indonesien, Italien, Irland, Serbien, Spanien, der Türkei und den USA.

Das Nachtlichter-Team trifft sich regelmäßig zur Zusammenarbeit. Wenn du über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben möchtest, abonniere unsere Mailingliste oder registriere dich in der Nachtlichter-App, um eigenständig Lichter zu zählen. Um den Einstieg zu erleichtern, findest du hier eine kurze App-Einführung (Video). Falls du Problem mit der App-Nutzung hast, helfen unsere Antworten auf „häufige Fragen“ meistens weiter.

Die wichtigsten Links zur App

Häufige Fragen zur App

Hier beantworten wir häufige Fragen und Probleme, die uns bereits bekannt und gelöst oder beantwortet sind. Da die App eine Neuentwicklung ist, kann es passieren, dass Probleme auftreten, die wir noch nicht auf dem Schirm haben.